Art-Challenge

WIR

von Thor van Horn

Es ist ein Unterschied

 

Es ist ein Unterschied, ob ich in ein Musik-Album reinhöre oder es von vorne bis hinten durchhöre. Es ist ein Unterschied, ob ich bei Blinkist eine Zusammenfassung lese oder das ganze Buch. Es ist ein Unterschied, ob ich mit einem Menschen quatsche oder mich mit ihm auseinandersetze. Das letzte Wort ist insofern interessant und ambivalent, als dass es die aktuelle Situation auf den Punkt bringt. Wir beschäftigen uns gerade mehr und intensiver mit uns, indem wir uns auseinander-setzen. Bevor wir diesen Gedanken weiterführen, hab ich eine kurze Quizfrage für Euch: Was hat der Künstler Christo mit der Pandemie gemeinsam? Googelt gerne, was Christo eigentlich macht (bzw. vor deren Tod zusammen mit seiner Frau Jean Claude gemacht hat).

Stimmt, er ist ein Verhüllungskünstler (und nicht wie viele sagen ein „Verpackungskünstler"). U.a. hat er 1995 zusammen mit Jean Claude den Reichstag verhüllt. Bevor er  die Verhüllung des Arc de Triomphe in Paris vollenden konnte, verstarb er jüngst am 31. Mai 2020.

 

Die Feinheit des Unterschieds der Wörter verpacken und verhüllen verraten den tieferen Sinn und damit Christos Intention. Er will mit der Verhüllung (u.a.) den Blick auf das nehmen, was sich DAHINTER befindet, um gleichzeitig die Aufmerksamkeit darauf zu ziehen. Auch das wirkt paradox, aber auch um so interessanter. Die Stoffoberfläche, die Falten, die Spannseile komplettieren dabei die Idee der Inszenierung der "Kontur" und dem verfremdeten Erscheinungsbild. Es baut sich eine Spannung für den Betrachter auf. Bedeutung und Geschichte eines Bauwerks rücken nach vorne, indem man es verbirgt.

 

Damit beantwortet sich auch die Frage nach der Gemeinsamkeit mit der Pandemie: Sie nimmt uns das gesellschaftliche Leben und lenkt damit die Aufmerksamkeit darauf. Wir besinnen uns auf den qualitativen Kern, auf das Wesen dessen, was das UNS und WIR ausmacht.

Die heutige Challenge wird also folgende: Nehmt Euch ein Handtuch (wer „Per Anhalter durch die Galaxis“ kennt, hat sowieso immer eines griffbereit) oder ein Laken und verhüllt damit bis morgen einen Gegenstand in Eurer Wohnung/Büro. (Ich meine "Gegenstand" und nicht Eure(n) PartnerIn oder eines Eurer grade mal nervender Kinder oder gar Euch selbst ;-)). Macht ein Foto davon und postet es auf Miro. Nehmt den Stoff frühestens erst morgen wieder ab. Wenn Ihr es "christomäßiger" machen wollt, wickelt eine Schnur drumrum. WICHTIG: VERRATET UM KEINEN PREIS EUREN KOLLEGEN ODER EURER FAMILE, WAS ES DAMIT AUF SICH HAT. HALTET IRHEN BOHRENDEN FRAGEN STAND BIS ZUR ENTHÜLLUNG oder dahin hinaus (das ist die eigentliche Challenge und Ihr werdet sie genießen. Zugabe: Die "Weltmeister" halten länger als 24 Stunden aus oder/und verhüllen den Fernseher ;-)).


Meine Intention für heute ist es einfach nur, Euch den Gedanken in den Kopf zu bringen, dass Ihr das Social Distancing wie eine Verhüllung Christos sehen könnt. Mit dieser Vorstellung fällt Euch vielleicht so einiges leichter und ich hoffe, ich treffe die/den eine(n) oder andere(n) von Euch im nächsten Herbst in Paris, den es ist geplant seine Verhüllung trotzdem zu realisieren. Dazu passt ein Zitat von irgendeinem vorher Gepeinigten: „Sagen sie, was sie wollen, aber eines der schönsten Dinge im Leben ist, wenn der Schmerz nachläßt!“


Thor